Mein Trainingsalltag während der Corona-Krise

Das Training während der Corona-Pandemie ist für ambitionierte Sportler und Sportlerinnen – auch in Gretzenbach – massiv eingeschränkt worden. Wie sieht der Trainingsalltag unter solchen Umständen aus? Die Sportschützin   Larissa Donatiello gewährt Einblick in das ‘Schiessen’ zu Hause.

Der Höhepunkt der Luftgewehrsaison ist für die Schützinnen und Schützen die Schweizermeisterschaft, welche jeweils anfangs März stattfindet. Dieses Jahr stand dieser Anlass wegen der Corona-Krise auf der Kippe. Wo in anderen Ländern der Virus schon seit längerem kursierte, begann in der Schweiz dieser böse Traum erst. Der Schweizer Schiesssportverband (SSV) hatte daher zusammen mit den kantonalen Behörden entschieden, den Anlass unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einer maximalen Anzahl von 150 Personen doch noch durchzuführen, was heute unvorstellbar wäre. (Anm: Larissa gewann Bronze bei den U 17.)

Seit diesem Zeitpunkt hat sich für mich einiges verändert. Eine Woche später verfügte der Bundesrat den ”Lockdown”. Zurzeit absolviere ich das 2. Oberstufen-Schuljahr an der Talentförderklasse der Sportschule in Solothurn. Gewöhnlich stehe ich um 05.00 Uhr auf, damit ich den 06.10-Zug in Däniken erwische, welcher mich via Aarau nach Solothurn zur Schule fährt. Seit dem 16. März 2020 kann ich etwas länger liegen bleiben, da ich mir den Weg zur Schule sparen kann. An der Talentförderklasse arbeiten wir fast ausschliesslich mit dem iPad. Das heisst, die Lehrer stellen uns die Aufgaben auf das iPad, Lernziele werden auch auf diesem Tablet geschrieben. Somit war das ”Homescooling” für mich keine grosse Umstellung, ausser, dass ich physisch nicht in Solothurn, sondern zu Hause in Gretzenbach die Lektionen absolviere. Jedoch fehlen mir meine Schulkameraden sehr.

Ganz anders sieht dafür mein Trainingsalltag rund um’s Schiessen aus. Ende März startet jeweils die Outdoor-Saison mit dem Kleinkaliber. Es wäre ein Trainingslager in Locarno und ein Trainingsweekend in Magglingen vorgesehen gewesen. Diese mussten jedoch, so wie viele andere Schiessanlässe, abgesagt werden.

Seit dem 16. März 2020 konnte ich noch keinen Schuss mit dem Kleinkaliber abgeben. Der SSV hat die Weisung herausgegeben, bis Ende Mai 2020 jeglichen Schiessbetrieb einzustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle Sportstätten (und vieles anderes) geschlossen bleiben. Jegliche Vereinsaktivitäten sind verboten.

Die Einstellung des Schiessbetriebs bis Ende Mai hat grosse Auswirkungen auf den Wettkampfkalender und auf zahlreiche weitere Anlässe. Sowohl national, wie auch international wurden Wettkämpfe bereits abgesagt, fast täglich erreicht mich die Meldung von weiteren Absagen. Dieses Jahr hätte das Eidgenössische Schützenfest stattfinden sollen, ein Highlight auch für den Breitensport, welches nun um ein Jahr verschoben wurde.

Trockentraining, Trockentraining, Trockentraining

Für uns Schützinnen und Schützen gilt es, in irgendeiner Form die Motivation und die Leistungen hochzuhalten. Mein Trainingsalltag setzt sich aus dem Kraft-Ausdauerbereich und dem Trockentraining zusammen. Trockentraining bedeutet: Man trainiert die diversen Stellungen (kniend, liegend, stehend) in der vollen Montur zu Hause an einem Ort,  wo ausreichend Platz ist, und zielt auf einen Punkt, welcher auf die jeweilige Distanz, die einem zur Verfügung steht, skaliert wird. Das heisst, der Punkt erscheint exakt so gross, wie wenn ich auf die gewöhnliche Distanz von 50m im Kleinkaliber oder 10m im Luftgewehr schiessen würde.

Dafür ist das Sportgerät ist mit einem Scatt-Gerät ausgestattet. Ein elektronischer, optischer Sensor wird am Lauf des Sportgeräts befestigt. Der Schütze zielt dann auf die Scheibe. Eine Ablaufverfolgung des Zielpunktes kann dann in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgt werden. Beim Betätigen des Abzugs wird dann der Auftreffpunkt auf dem Bildschirm angezeigt. Alle Ergebnisse der Trainingseinheit können zur späteren Analyse aufgezeichnet werden. Selbst in einem Raum mit normaler Grösse können so jede Art von Waffe benutzt und Schüsse auf die realen Entfernungen simuliert werden.

Zwischenzeitlich haben diverse Veranstalter Online-Wettkämpfe organisiert. Jeder Schütze schiesst das Programm zu Hause mit dem Scatt und sendet anschliessend das Resultat dem Organisator. So entsteht im eher tristen Trainingsalltag doch noch etwas Wettkampf-Feeling.

Gestern gab der Bundesrat grünes Licht, dass mit den nötigen Schutzmassnahmen das Schiessen ab dem 11. Mai 2020 wieder möglich sei. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich in unserem Schützenhaus im ”Zingg” richtige Schüsse abgeben darf.

Larissa Donatiello, 30. April 2020

Mit neuem Gewehr in die neue Saison

Das Projekt ‘I believe in you’ ist eine weltweite Crowdfundingplattform im Sportbereich. Die Sponsorengelder, die über diese Plattform – vor Ablauf der Aktion – gesammelt werden konnten, erlauben es Larissa, sich ihr neues Kleinkalibergewehr anzuschaffen. In diesem Sinne: Gut Schuss. / HS