Corona und Ostern – wie passt das zusammen?

Das Corona-Virus verbreitet Angst und Tod. Ostern bedeutet für die Christenheit die Auferstehung Jesus von den Toten, der Anfang des Lebens also. Und was hat das mit Bulgarien zu tun?

Der Verein ‘Gretzenbach teilt’ unterstützt aktuell das Pflegekind-Projekt in Bulgarien. Es ist an einem der letzten Gottesdienste im März in Gretzenbach vorgestellt worden. Um die Gefahr der aktuellen Situation für dieses Land zu verstehen, braucht es den Blick zurück in seine jüngste Geschichte: Bulgarien ist 2007 der EU beigetreten, es gilt als der ‘ärmste’ Mitgliedsstaat – und es ist ein überaltetes Land.

Mit der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion Ende des vergangenen Jahrhunderts verlor Bulgarien seinen wesentlichen Absatzmarkt und geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise, die bis 2004 andauerte. In der Folge verliessen sehr viele Menschen das Land (rund 1 von 8 Millionen) und suchten sich eine neue Existenz u.a. im Westen. Ärzte und Pflegepersonal gehörten auch dazu, sie fanden Arbeit in unseren Gesundheitsinstitutionen.

Die bulgarische Gesellschaft zerfiel, Verunsicherung und Verarmung wurden Realität. Zurückgeblieben sind die Betagten, die Benachteiligten, Bildungsferne und die Kinder (oft bei den Grosseltern oder in Kinderheimen). Die Institutionen waren aber überfordert und unterfinanziert, viele Heime wurden daher aufgelöst. Diese Kinder kamen in Pflegefamilien.

Eine ‘typische’ Pflegefamilie besteht sehr oft aus einer älteren Frau, die Rente bezieht (140.- im Monat, die bulgarische Armutsgrenze liegt bei 200 Franken.) Mit dem zusätzlichem Kostgeld für die Pflegekinder versucht sie also ihre Rente aufzubessern.

Die aktuelle Pandemie fordert Bulgarien in verschiedener Hinsicht: Die Überalterung der Gesellschaft, die wirtschaftliche Situation der Risikogruppen und zu wenig Pflegepersonal wegen der Abwanderung lassen Böses ahnen. Zudem kehren Bulgarinnen und Bulgaren in Massen zurück, da sie ihren Job als billige Arbeitskräfte verloren haben.

Seit dem 13. März gilt der Notstand, er wird sicher bis zum 13. Mai dauern. Möglicherweise werden dann bulgarische Pflegekinder wieder auf der Strasse stehen, auch wenn im Moment die Lage noch recht gut aussieht (Stand 12. April: 661 Fälle und 28 Todesopfer)

Wir steuern auf Ostern zu, die Osterfreude und Osterhasen können kommen. Das Thema Bulgarien soll uns aber deutlich machen: Trotz allem Leid und den sozialen Einschränkungen hier bei uns: In der Schweiz pulsiert das Leben! Die Massnahmen des Bundesrates sind zwar lästig, aber leicht einzuhalten und sinnvoll. Auch wenn jetzt schönes Wetter ist. Frohe Ostern!