Der Bankomat bleibt im Dorfe

Wird man auch in Zukunft Geld im Dorf beziehen können oder muss man deswegen bis in den Grund hinunterlaufen? Diese Frage beschäftigte seit mehr als einem Jahr Gretzenbach. Die Antwortet lautet: Bis auf weiteres bleibt er am alten Standort.

An der Generalversammlung im März 2019 fragte ein Genossenschafter, ob es stimme, dass der Bankomat vom alten Standort neben dem Spar in den Grund gezügelt werden solle. Die Antwort war ein Ja und danach herrschte grosse Aufregung, weil besonders für ältere Menschen dies ein sehr ungünstiger Standort sei.

Nun, mehr als ein Jahr später ergab eine Rückfrage bei Stefan Scherer, Präsident des Verwaltungsrates der Raiffeisenbank Däniken – Gretzenbach:

‘Der Bankomat wird bis auf Weiteres am gewohnten Standort weiter betrieben, solange dieser den sicherheits- und abwicklungstechnischen Anforderungen genügt. Wir gehen zum heutigen Zeitpunkt davon aus, dass dies noch einige Jahre der Fall sein sollte und der Hersteller allfällige Anpassungen und Reparaturen gewährleisten kann.’

Zum Umdenken hat geführt, dass u.a. die Baukommission der Einwohnergemeinde Gretzenbach den vorgesehenen neuen Standort nicht bewilligte und die Parkplatzbenutzung vor den Einkaufsgeschäften im Grund einer Verkehrsbegrenzung unterliegt. Der Bankomat hätte sicher zu einer Erhöhung des Verkehrsfrequenz geführt, was zur Überschreitung der maximalen Fahrzeugdurchfahrten hätte führen können.

In naher Zukunft ändert sich also nichts. Was danach geschieht ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

Wie sieht dereinst das Dorfzentrum aus, das aktuell in einem Planungsverfahren ist? Für die Raiffeisenbank ist dabei die Frage wichtig, ob der Durchgangsverkehr auf der Köllikerstrasse erhalten bleibt, der wichtig für die Nutzung des Bankomaten ist. 

Stefan Scherer: Entscheidend für den Betrieb eines Bankomaten ist eine genügend grosse Anzahl Bezüge, damit die Betriebs- und Investitionskosten gedeckt werden können.

Von Bedeutung ist auch, wie lange noch Bargeld beim Einkauf eingesetzt wird.

Corona könnte auch in dieser Hinsicht ein bedeutendes Wörtchen mitreden. Aus Angst vor Ansteckung mit dem Virus haben die Abwicklungen von bargeldlosen und kontaktlosen Zahlungsmitteln in letzter Zeit deutlich zugenommen. Und vielleicht wird auch hier Realität, was man sich im letzten Jahrhundert mit den Telefonzellen und der Postfiliale überhaupt nicht hatte vorstellen können: Sie verschwanden, weil man sie nicht mehr brauchte. / HS

Einsprachen gegen die Mobilfunkanlage abgewiesen

Die Baukommission hat beide Begehren gegen die Auf-, bzw. Umrüstung der Mobilfunkanlage am Parkweg 1 abgewiesen. Dieser Entscheid ist mit Datum 18.5.2020 den Einsprechern zugestellt worden. Seither läuft die 10tägige Einsprachefrist.

1997 erteilte die Baukommission der damaligen Telecom PTT die Baubewilligung für eine Basisstation mit Antennenmast am jetzigen Standort.

Im vergangenen Jahr hat der Nachfolger der PTT – die Swisscom – die Anlage auf 5 G umgerüstet. Es wurde kein Baugesuch für die Umrüstung eingereicht, weil dies als Bagatellverfahren eingestuft wird. Dagegen sind Einsprachen eingegangen, die verlangten, dass für die Umrüstung ein ordentliches Baubewilligungsgesuch einzureichen sei.

Im Juni 2019 haben die Sunrise Communications AG und die Salt Mobile SA ein Baugesuch eingereicht, am bestehenden Antennenmast eine eigene Funkanlage zu installieren. Auch dagegen sind Einsprachen eingegangen, für beide Projekte zusammen waren es über 100 Unterschriften.

Eine Beschwerde gegen Bauprojekte ist mit einem Kostenvorschuss verbunden, den die federführenden Personen der Unterschriftensammlungen sich nicht leisten können. Ob die beiden Projekte (Umrüstung auf 5 G, bzw. Aufrüstung von Sunrise / Salt) damit aus dem Schneider sind, hängt ab von:

– der Einhaltung der Einsprachefrist bis zum 28.5.2020 beim Kanton Solothurn.

– der Bereitstellung eines Kostenvorschusses von plus / minus 1000.-

– der Initiative von einer oder mehrerer Personen, die Beschwerde weiterzuziehen.

Im anderen Fall darf die Mobilfunkanlage bei der Tunneleinfahrt rechtsgültig auf-, bzw. umgerüstet werden. Die Antennenmodule von Sunrise / Salt sind offenbar schon montiert. / HS

Mein Trainingsalltag während der Corona-Krise

Das Training während der Corona-Pandemie ist für ambitionierte Sportler und Sportlerinnen – auch in Gretzenbach – massiv eingeschränkt worden. Wie sieht der Trainingsalltag unter solchen Umständen aus? Die Sportschützin   Larissa Donatiello gewährt Einblick in das ‘Schiessen’ zu Hause.

Der Höhepunkt der Luftgewehrsaison ist für die Schützinnen und Schützen die Schweizermeisterschaft, welche jeweils anfangs März stattfindet. Dieses Jahr stand dieser Anlass wegen der Corona-Krise auf der Kippe. Wo in anderen Ländern der Virus schon seit längerem kursierte, begann in der Schweiz dieser böse Traum erst. Der Schweizer Schiesssportverband (SSV) hatte daher zusammen mit den kantonalen Behörden entschieden, den Anlass unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einer maximalen Anzahl von 150 Personen doch noch durchzuführen, was heute unvorstellbar wäre. (Anm: Larissa gewann Bronze bei den U 17.)

Seit diesem Zeitpunkt hat sich für mich einiges verändert. Eine Woche später verfügte der Bundesrat den ”Lockdown”. Zurzeit absolviere ich das 2. Oberstufen-Schuljahr an der Talentförderklasse der Sportschule in Solothurn. Gewöhnlich stehe ich um 05.00 Uhr auf, damit ich den 06.10-Zug in Däniken erwische, welcher mich via Aarau nach Solothurn zur Schule fährt. Seit dem 16. März 2020 kann ich etwas länger liegen bleiben, da ich mir den Weg zur Schule sparen kann. An der Talentförderklasse arbeiten wir fast ausschliesslich mit dem iPad. Das heisst, die Lehrer stellen uns die Aufgaben auf das iPad, Lernziele werden auch auf diesem Tablet geschrieben. Somit war das ”Homescooling” für mich keine grosse Umstellung, ausser, dass ich physisch nicht in Solothurn, sondern zu Hause in Gretzenbach die Lektionen absolviere. Jedoch fehlen mir meine Schulkameraden sehr.

Ganz anders sieht dafür mein Trainingsalltag rund um’s Schiessen aus. Ende März startet jeweils die Outdoor-Saison mit dem Kleinkaliber. Es wäre ein Trainingslager in Locarno und ein Trainingsweekend in Magglingen vorgesehen gewesen. Diese mussten jedoch, so wie viele andere Schiessanlässe, abgesagt werden.

Seit dem 16. März 2020 konnte ich noch keinen Schuss mit dem Kleinkaliber abgeben. Der SSV hat die Weisung herausgegeben, bis Ende Mai 2020 jeglichen Schiessbetrieb einzustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle Sportstätten (und vieles anderes) geschlossen bleiben. Jegliche Vereinsaktivitäten sind verboten.

Die Einstellung des Schiessbetriebs bis Ende Mai hat grosse Auswirkungen auf den Wettkampfkalender und auf zahlreiche weitere Anlässe. Sowohl national, wie auch international wurden Wettkämpfe bereits abgesagt, fast täglich erreicht mich die Meldung von weiteren Absagen. Dieses Jahr hätte das Eidgenössische Schützenfest stattfinden sollen, ein Highlight auch für den Breitensport, welches nun um ein Jahr verschoben wurde.

Trockentraining, Trockentraining, Trockentraining

Für uns Schützinnen und Schützen gilt es, in irgendeiner Form die Motivation und die Leistungen hochzuhalten. Mein Trainingsalltag setzt sich aus dem Kraft-Ausdauerbereich und dem Trockentraining zusammen. Trockentraining bedeutet: Man trainiert die diversen Stellungen (kniend, liegend, stehend) in der vollen Montur zu Hause an einem Ort,  wo ausreichend Platz ist, und zielt auf einen Punkt, welcher auf die jeweilige Distanz, die einem zur Verfügung steht, skaliert wird. Das heisst, der Punkt erscheint exakt so gross, wie wenn ich auf die gewöhnliche Distanz von 50m im Kleinkaliber oder 10m im Luftgewehr schiessen würde.

Dafür ist das Sportgerät ist mit einem Scatt-Gerät ausgestattet. Ein elektronischer, optischer Sensor wird am Lauf des Sportgeräts befestigt. Der Schütze zielt dann auf die Scheibe. Eine Ablaufverfolgung des Zielpunktes kann dann in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgt werden. Beim Betätigen des Abzugs wird dann der Auftreffpunkt auf dem Bildschirm angezeigt. Alle Ergebnisse der Trainingseinheit können zur späteren Analyse aufgezeichnet werden. Selbst in einem Raum mit normaler Grösse können so jede Art von Waffe benutzt und Schüsse auf die realen Entfernungen simuliert werden.

Zwischenzeitlich haben diverse Veranstalter Online-Wettkämpfe organisiert. Jeder Schütze schiesst das Programm zu Hause mit dem Scatt und sendet anschliessend das Resultat dem Organisator. So entsteht im eher tristen Trainingsalltag doch noch etwas Wettkampf-Feeling.

Gestern gab der Bundesrat grünes Licht, dass mit den nötigen Schutzmassnahmen das Schiessen ab dem 11. Mai 2020 wieder möglich sei. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich in unserem Schützenhaus im ”Zingg” richtige Schüsse abgeben darf.

Larissa Donatiello, 30. April 2020

Mit neuem Gewehr in die neue Saison

Das Projekt ‘I believe in you’ ist eine weltweite Crowdfundingplattform im Sportbereich. Die Sponsorengelder, die über diese Plattform – vor Ablauf der Aktion – gesammelt werden konnten, erlauben es Larissa, sich ihr neues Kleinkalibergewehr anzuschaffen. In diesem Sinne: Gut Schuss. / HS


Wir bleiben noch lange zu Hause – leider!

Die Jungbürgerinnen und Jungbürger des Jahrganges 2001 haben es bereits vorgelebt: Sie sind zu Hause geblieben und haben keine Gegenstände entführt, worüber sich sicher viele Hauseigentümer gefreut haben.

Als der Bundesrat am 29. April 2020 verkündet hat, dass alle Veranstaltungen über 1000 Personen bis zum 30. August 2020 untersagt werden, sind sicher die ersten Zweifel aufgekommen. Inzwischen ist es definitiv: Das Beizilifest 2020 wird um ein Jahr verschoben. Das neu angeschaffte Elektromaterial kommt also noch nicht zum Einsatz.

Und auch auf der Webseite des Vereins ‚Behindertensporttag‘ steht bereits der Vermerk: Verschoben auf 2021.

Corona du …. Wir FREUEN UNS TROTZDEM AUF DIE NÄCHSTEN ANLÄSSE, DIE WIR WIEDER BESUCHEN DÜRFEN! / HS

Ich bin 91 und immer noch nicht pensioniert

Schuhdesigner, Künstler, Dauerarbeiter und Lebensphilosoph – das ist Paul Gugelmann. Ein Besuch bei ihm aus Anlass seines 91. Geburtstages und des 25-Jahr-Jubiläums seines Museums in Schönenwerd.

Man kennt seinen Namen im Dorf und man ist sich vor Jahren am Pferdemarkt von Saignelegier begegnet, der Telefonanruf bei ihm verläuft trotzdem überraschend kurz. Er nimmt die Anfrage entgegen, sagt zu und nach wenigen Sekunden steht der Termin für einen Besuch fest. Eines wird klar: Paul Gugelmann ist ein Mensch voller Energie, wach und präsent. Und er ist sich Medienkontakte gewohnt.

Das Markenzeichen von Paul Gugelmann sind seine schwarze Kleidung, sein Wuschelkopf und seine offene Art. Der Empfang fällt unkompliziert aus. Es folgt das Beschnuppern im Wohnzimmer. Doch schnell mal geht es ins Atelier. Dieses liegt direkt neben der Küche, eigentlich ein Zimmer mit Blick auf den Garten. Auffällig ist die Ordnung, die herrscht, und es ist nicht überfüllt. Gut, die groben Arbeiten erledigt er nicht mehr selbst. Dennoch verblüfft die Einfachheit im Vergleich zum Witz und dem Glanz, den seine Figuren und Maschinen vermitteln.

Wir vereinbaren, dass er normal arbeitet. Kein Problem. Er holt ein Blech, schneidet aus, hämmert es in Form, erwärmt es. Seine Vorliebe gilt dem Messing, weil es durch die Bearbeitung so schön patiniert und rostfrei ist. Seine Arbeitstechniken sind einfach: Schneiden, treiben, löten. Aber es sind aufwändige Techniken, weil alles von Hand gemacht ist.

Der Materialwert seiner Objekte muss hoch sein, der Verkauf seiner Maschinen war trotzdem nie ein Thema: ‘Ich wollte nie etwas verkaufen, um Geld zu verdienen. Denn dann wären die Händler gekommen und hätten einen viel höheren Preis verlangt. Das wollte ich nicht. Wenn ich aber alles rechnen würde, hätte ich den Lohn einer Putzfrau,’ soweit Paul Gugelmann

Nur Personen oder Institutionen, die ihm etwas bedeuten, können seine Objekte erwerben.

Sein Werken ist für den Fotografen inszeniert. Er verrät, dass das Fernsehen ihn einmal eine Woche lang begleitet und daraus einen 10minütigen Film gemacht hat. Und seine Meinung über Fotografen ist, dass die manchmal sehr kompliziert seien. Entweder verläuft diese Session anders oder er lässt sich nichts anmerken, auf jeden Fall macht er mit und nimmt die Anweisungen entgegen.

Nach etwa einer Stunde meint er aber bestimmt: ‘So, jetzt ist Schluss!’ Wir gehen zurück ins Wohnzimmer und schnell wird klar. Zum Fachsimpeln gehört ein Getränk dazu, es ist nicht Wein: ‘Wegen des Tannins kann ich keinen Wein trinken, darum schenken mir die Leute immer Schnaps. Mein Schrank ist voll davon. Darf es ein Zwetschgenschnaps sein?’

Überall stehen Objekte seines Schaffens, so auch die Figur Jedermann, die die Vergänglichkeit des Lebens symbolisiert, die für ihn zum Alltag gehört: ‘Es ist gut, dass jeder irgendwann gehen muss. Als einziger übrig zu bleiben, das wäre nicht schön. Der Tod ist kein schlimmer Gedanke für mich.’

All seine Objekte trägt Paul Gugelmann bereits im Kopf mit sich, bevor sie Realität werden. Eine Zeichnung fertig er an, das ist alles – kein Plan, nichts, nur die Vorstellung im Kopf.

Darum ist er auch noch nicht pensioniert, wie er von sich selbst sagt. Täglich ist er in seinem Atelier an seinen Objekten. Früher hat er seinen Beruf gehabt und daneben die Maschinen entworfen, von 5 Uhr morgens bis Mitternacht. ‘Jetzt arbeite ich von 7 Uhr bis 10 Uhr abends. An der Arbeit muss man Freude haben.’ Die hat Paul – inzwischen sind wir beim DU angelangt –  offensichtlich immer noch. Die Vorstellung, nicht mehr arbeiten zu können und vielleicht in einem Altersheim vor sich hinzudämmern, ist für ihn eine grauenhafte. Er stellt die Situation pantomimisch dar. Die Geste sieht lustig aus, aber sie ist für Menschen seines Alters oft bittere Realität. Paul Gugelmann ist sich seiner privilegierten Situation bewusst.

Darum beschäftigt ihn, wie andere Menschen mit der Pensionierung umgehen. Er rät mir eindringlich, mich auf diesen Schritt vorzubereiten: ‘Ich kenne viele, die gesagt haben:  Ich mache nach der Pensionierung nichts mehr!’, und die auch nichts mehr gemacht haben. Das ist furchtbar. Und es gibt auch jene, die in ihrem Arbeitsalltag auf die Pensionierung warten, das ist schrecklich!’

Vor 25 Jahren ist sein Museum in Schönenwerd eröffnet worden. Zuvor sind all seine Maschinen bei zu ihm Hause in Kisten verpackt herumgestanden. In der alten Kornschütti haben einige von vielen ein Zuhause erhalten, die andern sind immer noch in seinem Haus. Was hält er von seinem Museum? ‘Ich hätte damals nie gedacht, dass das Museum so lange Erfolg haben wird; dass sich so viele Freiwillige für Führungen finden lassen und dass so viele Besucher kommen!’

Paul Gugelmann ist ein scharfer Beobachter und das findet sich in seinen poetischen Maschinen wieder. Sein Blick geht aber darüber hinaus. Hier ein paar Stichworte:

Digitalisierung: Das brauche ich nicht, ich habe nie einen Computer gehabt. Aber für die Weiterentwicklung der heutigen Zeit ist sie absolut nötig.’

Religion: ‘Ich bin reformiert und zahle meine Steuern, damit andere davon profitieren. Aber ich gehe nicht in die Kirche.’

Technisches Verständnis: ‘Als Werbe-Designer habe ich viel von meinem technischen Verständnis profitiert. Ich konnte dann selbst an die Nähmaschine sitzen und die Realisierbarkeit beweisen, wenn es wieder mal geheissen hat: Das geht nicht!’

In der Küche hängt eine Urkunde der Gretzi Chuchi, die ihn als Ehrenmitglied auszeichnet. Er ist häufiger, aber nicht regelmässiger Gast. ’Dann helfe ich mit. Ich kann aber kochen, meine Frau ist verstorben.’

Der Besuch geht zu Ende. 2 Bilder bleiben in Erinnerung:

Paul Gugelmann steht bei der Verabschiedung im Rahmen der Garagentüre. Der Blick ist fixiert, die Arme sind in die Hüften gestemmt, die Füsse fest auf dem Boden.

Und das Loch in der Glasscheibe des Ateliers, entstanden durch ein Metallteil, das bei Schleifen weggeschleudert worden ist.

Beide Bilder zeigen einen Menschen voller Überzeugung, Energie, kritischer Distanz, Selbstbewusstsein und Tatendrang.

Alles Gute zum Geburtstag. / HS

Corona und Ostern – wie passt das zusammen?

Das Corona-Virus verbreitet Angst und Tod. Ostern bedeutet für die Christenheit die Auferstehung Jesus von den Toten, der Anfang des Lebens also. Und was hat das mit Bulgarien zu tun?

Der Verein ‘Gretzenbach teilt’ unterstützt aktuell das Pflegekind-Projekt in Bulgarien. Es ist an einem der letzten Gottesdienste im März in Gretzenbach vorgestellt worden. Um die Gefahr der aktuellen Situation für dieses Land zu verstehen, braucht es den Blick zurück in seine jüngste Geschichte: Bulgarien ist 2007 der EU beigetreten, es gilt als der ‘ärmste’ Mitgliedsstaat – und es ist ein überaltetes Land.

Mit der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion Ende des vergangenen Jahrhunderts verlor Bulgarien seinen wesentlichen Absatzmarkt und geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise, die bis 2004 andauerte. In der Folge verliessen sehr viele Menschen das Land (rund 1 von 8 Millionen) und suchten sich eine neue Existenz u.a. im Westen. Ärzte und Pflegepersonal gehörten auch dazu, sie fanden Arbeit in unseren Gesundheitsinstitutionen.

Die bulgarische Gesellschaft zerfiel, Verunsicherung und Verarmung wurden Realität. Zurückgeblieben sind die Betagten, die Benachteiligten, Bildungsferne und die Kinder (oft bei den Grosseltern oder in Kinderheimen). Die Institutionen waren aber überfordert und unterfinanziert, viele Heime wurden daher aufgelöst. Diese Kinder kamen in Pflegefamilien.

Eine ‘typische’ Pflegefamilie besteht sehr oft aus einer älteren Frau, die Rente bezieht (140.- im Monat, die bulgarische Armutsgrenze liegt bei 200 Franken.) Mit dem zusätzlichem Kostgeld für die Pflegekinder versucht sie also ihre Rente aufzubessern.

Die aktuelle Pandemie fordert Bulgarien in verschiedener Hinsicht: Die Überalterung der Gesellschaft, die wirtschaftliche Situation der Risikogruppen und zu wenig Pflegepersonal wegen der Abwanderung lassen Böses ahnen. Zudem kehren Bulgarinnen und Bulgaren in Massen zurück, da sie ihren Job als billige Arbeitskräfte verloren haben.

Seit dem 13. März gilt der Notstand, er wird sicher bis zum 13. Mai dauern. Möglicherweise werden dann bulgarische Pflegekinder wieder auf der Strasse stehen, auch wenn im Moment die Lage noch recht gut aussieht (Stand 12. April: 661 Fälle und 28 Todesopfer)

Wir steuern auf Ostern zu, die Osterfreude und Osterhasen können kommen. Das Thema Bulgarien soll uns aber deutlich machen: Trotz allem Leid und den sozialen Einschränkungen hier bei uns: In der Schweiz pulsiert das Leben! Die Massnahmen des Bundesrates sind zwar lästig, aber leicht einzuhalten und sinnvoll. Auch wenn jetzt schönes Wetter ist. Frohe Ostern!

Gewinnen Sie ein Samsung Galaxy 10!

Die Pandemie schützt weder vor Wunderheilern noch Betrugs-Versuchen. Der Tagespreis: Ein Samsung Galaxy 10 als Lockvogel – so passiert in Gretzenbach.

Per Mail meldet sich die Swisscom – aus Anlass eines 10-jährigen Jubiläums werde ein Wettbewerb durchgeführt, unter anderem gebe es heute ein Samsung Galaxy 10 zu gewinnen.  (Das Handy der angeschriebenen Person trägt die Nummer 4, gehört also in die Steinzeit der Mobiltelefonie.) Und sie sei ein möglicher Gewinnkandidat, die Aktion laufe noch rund 2 Minuten.

Und die Uhr läuft unhaltbar gegen Null! Aber mithalten können mit einem Samsung 10, auf einen Schlag wieder bei den Leuten sein. Was will man mehr! Und das Ganze im vertrauenswürdigen Blau und Rot der Swisscom. Das wird wohl seriös sein. Und die Zeit hat schon die Minutengrenze erreicht. Statt über 1000.- nur noch 2.- Was steht unter Abos? Ihr Abo können Sie beibehalten. Wie sieht es aus bezüglich des Spezial-Abos, das über eine Institution läuft: Gilt das auch? Keine Angaben dazu. Überhaupt sehr wenig Text. Und irgendwo kommt langsam das Gefühl: Wird da die Katze im Sack gekauft. In James-Bond-Manier – kurz vor Ablauf der Frist – Senden nicht gedrückt.

Ein Mail über das Contactcenter der Swisscom bringt Tage später die folgende Antwort:

Der Name in der Anrede und jener des Kundenberaters sind wegretuschiert worden. Fazit: Glück gehabt! / HS

Wie funktioniert Gretzenbach im Zeichen des Corona-Virus?

Abgeschlossene Restauranttüren, Zulassungsbeschränkungen in den Geschäften, Abstandszonen, leere Regale, abgesperrtes Schulareal, Home Office und Kinder, die nicht zur Schule dürfen. Auch Gretzenbach spürt den Atem des Corona-Virus. Das Leben geht aber trotzdem weiter.

Kinder sind – wie das Bild zeigt – ehrliche Individuen. Sie sagen, was sie denken: Es lebe Corona. Mindestens zu Beginn ist es die Freude auf ausserterminliche Ferien gewesen, inzwischen ist Home Schooling Alltag sein.

Solidarität zeigt sich immer wieder in Krisen. Im Dorf kursiert ein Flyer, der Nachbarschaftshilfe anbietet.

Gemeindeamman Daniel Cartier meldet, dass der Gretzenbacher Gemeinderat noch nicht „dicht“ gemacht hat. Zwar finden Gemeinderatssitzung nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, aber sie finden statt, als Video-Konferenz. Die Ressorts-Verantwortlichen sind dabei unterschiedlich betroffen; am meisten zu tun gibt es bei der Schule, der Gesundheit und der Sicherheit. Daniel Cartier: Die Aufgabe ist zwar anspruchsvoll, aber durchaus machbar.

In dieser Aufzählung fehlen persönliche, positive Erlebnisse oder Begegnungen. Im Moment braucht es unbedingt diesen Blickwechsel. Wenn Sie eine solche Geschichte haben, erzählen Sie uns diese. /HS

Gretzenbach in den Klauen des Coronavirus?

Auch Gretzenbach ist von der Pandemie betroffen, mit allen wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen. Streift man durch das Dorf – besonders bei Nacht – bekommt man einen düsteren Eindruck vermittelt. Zu Recht?

Eine solche Situation hat die Schweiz seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr erlebt: Schulen und Restaurants sind geschlossen, in die Geschäfte ist der Zulass kontingentiert, am warmem Frühlingsabend sind keine Menschen auf den Strassen und überall die nüchternen Hinweise: Wegen Bundesratsbeschluss …. Geschlossen! Kein Klagen, nüchtern, den Tatsachen entsprechend, Fakt und fertig, trostlos!

Und dabei steckt doch hinter all diesen Bekanntmachungen: Liebe Leserin, lieber Leser dieser Zeilen! Wir nützen die Zwangspause, die uns sehr zu schaffen macht, um Schwung und Energie zu tanken. Denn der Coronavirus hat auch ein Ablaufdatum. Und dann sind wir wieder voll für Sie da. Wir freuen uns schon jetzt auf den Zeitpunkt, da wir mit Ihnen wieder geschäften und zusammen sein dürfen. Herzlichst Ihre ….

Zuversicht sieht anders aus. Im Gegensatz zur vielbeachteten Applaus-Aktion für die Betreuerinnen und Betreuer der Corona-Patienten hat die Aktion der Kirchen der Schweiz im Dorf wenig Unterstützung gefunden. Bis zum Gründonnerstag soll jeweils am Donnerstag eine brennende Kerze ein Zeichen der Hoffnung, der Verbundenheit und der Solidarität sein. Gretzenbach Mach mit! /HS

Corona trifft auf Gretzenbach

Seit fast 2 Wochen ist ein Virus das Thema. In Gretzenbach sind deswegen Veranstaltungen abgesagt worden, in den Medien wird über Hamsterkäufe berichtet und der Bundesrat hat seine Massnahmen verschärft. Nun ist verantwortungsvoller Umgang mit der Situation verlangt – und eine Portion Gelassenheit.

Weltweit herrscht Ausnahmezustand. Und trotz aller Massnahmen sterben Menschen wegen des Virus, auch in der Schweiz – das bedeutet Leid. Die beste Massnahme gegen die unkontrollierte Verbreitung des Krankheitserregers ist die Befolgung der bundesrätlichen Vorschriften und das Wisssen der wichtigsten medizinischen Fakten zum kleinen Übeltäter.

Übertragungsart

Die Übertragung geschieht vor allem durch Tröpfcheninfektion: Beim Niesen oder Husten gelangen Viren von einem Menschen direkt auf die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen eines anderen Menschen.

Viren überleben einige Stunden in winzigen Tröpfchen auf Händen oder Oberflächen (Türklinken, Knöpfe etc.) und gelangen durch Berührungen im Gesicht auf die eigenen Schleimhäute von Nase, Mund und Augen.

Nähe ist eine wichtige Voraussetzung für die Virus-Übertragung. In der Regel ist ein längerer und enger Kontakt mit einer infektiösen Person erforderlich (< 2 Meter über > 15 Minuten).

Die rasche Verbreitung des Coronavirus ist ein Problem. Die sogenannte «Reproduktionszahl (R)» gibt an, wie viele weitere Menschen eine infizierte Person anstecken kann. Gemäss aktuellen Schätzungen sind das zurzeit zwischen 1,5 und 4 Menschen. (Zum Vergleich: bei der saisonalen Grippe (im Winter) liegt R bei rund 1,2–1,4, bei Masern bei rund 18 und bei SARS knapp über 1,0).

Personen jeden Alters können sich anstecken. Das Alter der laborbestätigten Erkrankungsfälle in China reicht von 8 Monaten bis 90 Jahren. Erste Erfahrungen zeigen, dass Kinder vor Corona eher geschützt sind, sie können aber trotzdem Überträger sein.

Inkubationszeit: Nach einer Infektion mit dem Coronavirus dauert es in der Regel 4 bis 7 Tage bis zu den ersten Symptomen.

Krankheitsverlauf

Zu Beginn treten oft ähnliche Anzeichen wie bei einer Grippe auf: Unwohlsein, Müdigkeit und Fieber. Es folgen meist Atemwegssymptome (trockener Husten). Weniger häufig sind: Kopfschmerzen, selten Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

Nur sehr selten wurden Schnupfen und Halsschmerzen beobachtet (diese weisen eher auf eine «gewöhnliche Erkältung» hin).

Bei einem schweren Erkrankungsverlaufs kann es nach rund einer Woche zu Kurzatmigkeit und ev. zu einer Lungenentzündung mit Atemnot kommen. Weiterer Organsysteme können ebenfalls befallen werden.

Von einem schweren Erkrankungsverlauf betroffen sind vorwiegend ältere Menschen und Menschen mit einer chronischen Vorerkrankung (Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes oder Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen).

Die Mehrzahl der angesteckten Personen zeigt einen milden Verlauf. Mindestens 10 Prozent der Erkrankten haben kein Fieber, und bei einigen tritt kein Husten auf. Bei mehreren Personen wurde eine Infektion ohne Symptome nachgewiesen.

Neben den angesteckten Personen gibt es Virusträger, die nicht erfasst worden sind oder deren Symptome zu schwach ausgefallen sind. Hinter dieser Dunkelziffer vermutet man den Faktor 7.

Die Sterblichkeit bei einer 2019-nCoV-Erkrankung wird zurzeit bei ca. 3% angesetzt, in Italien sind es 3,8% (Stand Anfang März*).

Zum Vergleich: Die Sterblichkeit bei Masern liegt bei rund 0,1 Prozent, diejenige von SARS lag bei rund 10 Prozent; bei MERS liegt sie bei 35 Prozent.

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat eine umfassende Webseite zum Coronavirus aufgeschaltet, von da stammen auch die Angaben des Textes.

Das Schweizer Fernsehen hat in seiner Sendung Puls den Coronavirus, die Auswirkungen und die Massnahmen dagegen beleuchtet. / HS

Quellen:
Bundesamt für Gesundheit
* Oltner Tagblatt / Schweiz am Wochenende vom 7. März 2020