350 Jahre Kirche Gretzenbach

Die Einweihung der Kirche Gretzenbach im Jahre 1669 ist die Ergebnis einer fast 150 Jahren dauernden Phase politischer und gesellschaftlicher Unruhe in ganz Europa gewesen. Jetzt ist das Gebäude das von der Bahn aus wahrnehmbare Erkennungszeichen Gretzenbachs. Am Sonntag, den 23. Juni, findet der Jubiläums-Gottesdienst statt.

Im Spätherbst des Jahres 1517 setzte Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation in Gang. Diese Erneuerungsbewegung des christlichen Glaubens destabilisierte Europa, Religionskriege waren die Folge. In der Schweiz waren dies die beiden Kappelerkriege (1529 + 1531) und der erste Villmergerkrieg (1656), Deutschland wurde vom 30jähren Krieg überzogen (1618 – 1648). Die Folgen dieser Auseinandersetzungen waren u.a. Not und Armut, die in der Schweiz 1653 den Bauerkrieg auslösten.

Die soziale und finanzielle Unsicherheit wegen des Konfliktes der beiden Religionen liess viele Gotteshäuser zerfallen. In einem Bericht aus dem Jahre 1621 ermahnte das Stift Schönenwerd die Pfarreien, die Pfarrkirchen (u.a. Gretzenbach) besser zu unterhalten – erfolglos. Vier Jahrzehnte später, am 11. Mai 1664, fand die Grundsteinlegung für eine neue Kirche statt. Zu diesem Anlass ist gar ein silberner Erinnerungstaler geprägt worden, ein Exemplar befindet sich im Besitz der Kirchgemeinde.

Die Bauphase des Neubaus war offenbar recht turbulent: Die baufällige Gebäudehülle ist abgerissen worden, bevor der Neubau fertig war. So mussten die Gottesdienste in Schönenwerd stattfinden, zudem gestaltete sich die Finanzierung als schwierig. Das Bauvorhaben dauerte 5 Jahre, die Kirchweihe konnte dann am 24. Mai 1669 stattfinden.

Rund 100 Jahre später (1770) ist der Hochaltar eingebaut worden. Es handelte sich dabei um ein Objekt, welches von der Schmiedezunft in Solothurn in Auftrag gegeben und der St. Ursenkirche gespendet worden ist. Bereits 3 Jahre später musste er wieder aus der baufälligen Kirche entfernt werden, er fand keinen neuen Platz mehr in der Stadt. Auf der Aare wurde er 1770 mit einem Floss als Seconhand-Objekt hierher gebracht und aufgestellt.

Wegen Einsturzgefahr stand 1772 eine Dachsanierung an. Und 9 Jahre später war der Sigrist offenbar der Schuldige, dass in der Sakristei ein Brand ausbrach, der erheblichen Schaden verursachte, jedoch nicht zum Vollbrand geführt hat.

1883 / 84 wurde musste der Einsturz gefährdete Dachreiter mit den Glocken saniert werden. Das war die Gelegenheit, die bisherige Form der Kirche stark zu verändern: Der Grundriss wurde verlängert und am Ende des Kirchenschiffs ein steinerner Kirchturm gebaut. Da gehörte nun ein attraktives neues Geläut hinein. Statt 3 durften es jetzt 4 Glocken sein, später kamen noch 2 weitere dazu. Die Glockengiesserei Rüetschi offerierte einen Kilopreis von 2.- für das alte Geläut, für das Giessen der neuen Glocken verlangte der Betrieb 3.40 Fr / kg.

Seit 1911 hat es elektrisches Licht in der Kirche und seit 1945 ist sie unter Denkmalschutz gestellt. Renovationen innen und aussen waren immer wieder notwendig, so 1936, da ist die Turmuhr eingebaut worden. Und 1981 sind die Klöppel der Glocken ersetzt worden. 1986 gab es einen Innensanierung und 1989 ist der Vorplatz neu gestaltet worden. 2015 war die Heizung fällig und die Bänke im vorderen Teil des Kirchenschiffes mussten Stühlen weichen. Passend zum Jubiläum hat der Innenraum letztes Jahr ein Lifting erhalten und leuchtet nun wieder hell.

Vor 350 Jahren hatte alles begonnen, In 350 Jahren haben wir das Jahr 2369: Wie sieht die Kirche dann aus? Wie werden die Menschen dann mit Religion umgehen? Und wie wird sich Gretzenbach dann präsentieren?

Dieser Ausblick ist unvorstellbar. Haben sich die Erbauer der Kirche auch solche Gedanken gemacht? Darum müsste die Kirche unbedingt die 700-Jahr-Feier erleben.

p.s. Vor der Pfarrkirche St Peter und Paul am heutigen Ort befand sich ein Kirchlein in der Kohlschwärzi, welches – meist zu Fuss – von den Schönenwerdnern, Safenwilern, Dänikern und Eppenbergern aufgesucht worden ist. Um 1450 musste es wegen seines schlechten Zustands aufgegeben werden. Es befand sich westlich der heutigen Pfarrkirche, auf dem ‘alten Friedhof’.

Quellen:

– Geschichtliches der Pfarrgemeinde Peter und Paul zu Gretzenbach Gedanken zum Patronatsfest vom 29. Juni 1936

https://niederamtsued.ch/assets/manager/gretzenbach/Portrait/Geschichtliches%20Pfarrgemeinde%20Peter%20und%20Paul.pdf

– Gretzenbach Geschichte eines Dorfes von Andreas Jäggi; 1966 Walter Verlag Olten

– Website Einwohnergemeinde Gretzenbach

http://www.gretzenbach.ch/xml_1/internet/de/application/d11/f13.cfm

Die beiden Bilder unten zeigen die alte Pfarrkirche vor dem Umbau im Jahre 1884. Der Dachreiter ist deutlich erkennbar.